Fachkraft für Kinder in instrumentalisierenden Settings

Kompetenzstärkung für Kinderrechte und gerechte Einrichtungen

Die Instrumentalisierung von Kindern ist gesellschaftlich weit verbreitet, jedoch wenig thematisiert, solange sie nicht in Formen schwerer körperlicher, seelischer und sexueller Misshandlungen zum Ausdruck kommt. Aus entwicklungspsychologischer Sicht beginnt Instrumentalisierung jedoch bereits dort, wo Erziehungsberechtigte die Abhängigkeit des Kindes für ihre eigene Bedürfnisbefriedigung und als Interessenverbündete missbrauchen. Das schließt z.B. ideologische, religiöse oder auch durch Sucht begründete Gewalt ein.

Mit dem Kinder- und Jugendstärkungsgesetz wird die Teilhabe insbesondere von jungen Menschen (mit Behinderungen), Eltern und Familien gestärkt. Wo Beteiligungsrechte gestärkt werden, wird Benachteiligung wie auch Instrumentalisierung sichtbarer. Die betroffenen Kinder müssen die deutliche Widersprüchlichkeit der Lebenswelten bewältigen, und Eltern verhalten sich gegenüber rechteorientierten Konzepten konfliktiv. Fachkräfte sind aufgefordert Instrumentalisierungsdimensionen zu erkennen, zu bewerten und im Sinne des betroffenen Kindes zu handeln. Dazu gehört die Bereitschaft die eigene Position machtkritisch zu reflektieren.

In der Fortbildungsreihe lernen Sie verschiedene Dimensionen von Instrumentalisierungen, ihre entwicklungspsychologische Bedeutung und rechtliche Einordnung kennen. Sie erweitern Ihre Methodenkenntnis zur Gefahrenanalyse und in der partizipationsorientierten und diskriminierungssensiblen Kommunikation mit Betroffenen und Beteiligten sowie Handlungskonzepte.

Die Weiterbildung bietet die Möglichkeit zur Zertifizierung. Teilnehmer*innen, die ein Zertifikat erwerben möchten, erarbeiten ein Praxisprojekt. Dieses wird in einem Kolloquium präsentiert und diskutiert.

Modul 1 | 05.-07. Oktober 2022 | Präsenz | 10.00 Uhr – 15.00 Uhr
Modul 2 | 07.-08. November 2022 | Online | 09.30 Uhr – 13.30 Uhr
Modul 3 | 16.-17. Januar 2023 | Online | 09.30 Uhr – 13.30 Uhr
Modul 4 | 02.-03. März 2023 | Präsenz | 10.00 Uhr – 15.00 Uhr
Modul 5 | 27.-28. April 2023 | Präsenz | 10.00 Uhr – 15.00 Uhr

Fachlich geeignetes Personal, Fachkräfte, Fachberatungen, Leitungen, QM-Beauftragte aus Kitas, Träger der freien Jugendhilfe, Heimeinrichtungen, Tagespflege, der offenen Jugendarbeit und der Schulsozialarbeit

1.750,00 plus Übernachtung/Verpflegung

Veranst.-Nr.: 815807

Schwerpunkte

Modul 1, Berlin

  • Einführung: Instrumentalisierung und ihre gesellschaftliche Akzeptanz und ihr Widerspruch zu Kinderrechten, Entwicklungspsychologische Grundlagen
  • Konstruktion der generationalen Ordnung: Parentifizierung und Adultismus
  • Instrumentalisierung im historischen Verlauf: Rivalitäten, Arbeit, Werbung, Sport, Krieg, Interessenverheiratung, Familiengericht, Mode, Partizipation, Erziehungsstile
  • Fallbeispiele und kollegialer Austausch

Modul 2, Online

  • Instrumentalisierung im ideologischen Kontext: politisch, religiös, z.B. weltanschaulich, Ernährung als Ideologie, ethnisch-kulturell, z.B. völkisch/neonazistisch

Modul 3, Online

  • Instrumentalisierung im psychopathologischen Kontext: Kinder psychisch kranker Eltern, Kinder suchtkranker Eltern, Hochkonfliktfamilien, Parentifizierung

Modul 4, Berlin

  • Instrumentalisierung im bundesdeutschen strafrechtlichen Kontext: Sexuelle Gewalt gegen Kinder, Zwangsehen, Zwangsprostitution Minderjähriger, Internetpornographie

Modul 5, Berlin

  • Kollegiales Fachgespräch (Gruppenarbeit) (60 min)
  • Präsentation der Praxisarbeiten (Einzel- bzw. Kleingruppenarbeit) (4-7min)
  • Zertifikatsvergabe
+

Ergebnisse

Sie

  • kennen entwicklungspsychologischen Grundlagen und relevante Instrumentalisierungsdimensionen
  • haben eine Risikoanalyse für die Ihre eigene Einrichtung, Ihre Mitarbeiter*innen und die überantworteten Kinder erstellt
  • haben Ihre Kenntnisse zu diskriminierungssensibler Kommunikation mit Zielgruppen erweitert (Mitarbeiter*innen von Einrichtungen, Träger) und partizipationsorientiert weiterentwickelt (Kinder, Eltern, betroffene Beteiligte)
  • können Ihre Konzepte Schutz vor Gewalt, Teilhabe und Beschwerdemanagement unter machtkritischer Reflexion erweitern
  • kennen den aktuellen fachlichen Stand der Diskussion
  • haben Ihre Position machtkritisch hinterfragt und Fallbeispiele kollegial beraten
  • können im Sinne einer Verweisberatung auf stimmige Therapieformen verweisen
+

Methoden

Vortrag zu aktuellen Erkenntnissen, Diskussion und Gruppenarbeiten, Arbeitsmaterialien, Arbeit an Fallbeispielen mit der Möglichkeit eigene Fallbeispiele einzubringen

+

Leitung

Oliver Bienia, Diplom-Psychologe, Lehrbeauftragter für klinische Psychologie. Kiel.

Mitwirkende

Elisabeth Knoller, Diplom-Psychologin, Familientherapeutin, Supervisorin (DGSv), Berlin.
Andreas Hechler, diversitätsorientierter Erwachsenenbildner, Softwareentwickler. Autor von „Funktionalisierte Kinder. Kindeswohlgefährdung in Neonazifamilien – eine Hilfestellung für Fachkräfte in den Bereichen Recht und (Sozial-)Pädagogik“. Berlin
Prof. Dr. jur. Sascha Mikoljaczyk, Professur für Sozialrecht FH Kiel, bis 2019 Richter am Amtsgericht, zuletzt mit Schwerpunkten im Familien- und Betreuungsrecht. Kiel
u.a.

Inhaltliche Anfragen

Aninka Ebert
0174-347 34 85
aninka.ebert@ba-kd.de

Anmeldung

Michael Rautenberg
030/ 488 37-495
michael.rautenberg@ba-kd.de